project header image
FG Geothermie > Wussten Sie schon...? > Die Strompreislüge

Die Lüge vom teuren Ökostrom

Kritiker und Gegner der Energiewende blasen in regelmäßigen Abständen zum Marsch auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (kurz: EEG). Anstatt ihre Verantwortung wahrzunehmen, lamentieren große Stromkonzerne und Industriebetriebe über die Kosten dieses Gesellschaftsprojekts und glänzen dabei nur mit Halbwahrheiten. 

Heute im Jahr 2015 ist die Energiewende längst beschlossene Sache. Als Ziel gesetzt gilt es, den Ausstieg aus der Kernenergie zu vollziehen und den Verbrauch von fossilen Energieträgern drastisch zu reduzieren. Um dies auszugleichen, sollen neue Technologien zum Einsatz kommen, die die Stromproduktion sicherstellen sollen, ohne dass dabei die Umwelt unnötig belastet wird. Wie genau wird diese Diskussion in Deutschland inhaltlich geführt? Im nachfolgenden Text dazu ein paar Fakten.

Die Politik muss jetzt konsequent handeln

Deutschland gehört zu den weltweit ersten Staaten, die eine komplette Umstellung ihres Energiesektors in Betracht ziehen und auch umsetzen möchten. Damit einher geht eine hitzig geführte Debatte, wie realistisch ein derartiges Vorhaben sei. Zentrale Aspekte sind dabei die Versorgungssicherheit sowie die Bezahlbarkeit dieses Unterfangens. Kritiker der Bundesregierung bemängeln zudem den politischen Willen, tatsächlich eine echte Energiewende vorantreiben zu wollen. 

Die Wahrheit ist: Das EEG ist ein Erfolgsmodell, andere Länder fangen bereits an, den deutschen Weg zu kopieren. Dennoch schrecken die großen Energiekonzerne und politischen Kritiker der Energiewende nicht davor zurück, durch Lügen und Halbwahrheiten das bis jetzt Erreichte zu verunglimpfen. 

Kritisiert wird beispielsweise, dass Ökostrom bis heute über Einspeisevergütungen mit 60 Milliarden Euro subventioniert wird. Die Subventionen für Kohle und Atomkraft betragen allerdings über 400 Milliarden Euro und das schon seit etlichen Jahrzehnten. 

Geld sparen mit der Energiewende
Geld sparen mit der Energiewende © photo 5000, fotolia.com

Die Verbraucher werden zur Kasse gebeten

Energie muss bezahlbar bleiben, so lautete das Motto, als das EEG im Jahr 2000 verabschiedet wurde. Die Kosten für die Energiewende sollten fair auf Bürger und Unternehmen verteilt werden. Im Hintergrund stand der Gedanke der Förderung von ökologisch produziertem Strom. Für jede Kilowattstunde erzeugten Stroms bekommt der Erzeuger vom Staat mehr Geld als der Verkauf an der Börse einbringt, und somit eine garantierte Einspeisevergütung.

Vom Grundsatz her ist dieses Prinzip sehr erfolgreich, insbesondere da der Ausbau von Anlagen für Erneuerbare Energien attraktiv wurde. Der darauf folgende Wettbewerb sollte dafür sorgen, dass der Strom nun billiger wird.

Das Problem: Genau das Gegenteil ist eingetroffen. Seit einigen Jahren können wir eine Steigerung der Strompreise für Privatverbraucher beobachten, und das obwohl der Preis an der Börse selbst sinkt. Zum Vergleich: Das Preisniveau für viele Industriebetriebe lag 2008 auf dem Niveau von 2005.

Genau hier liegt auch das Problem: Über die Jahre wurden immer mehr  Industriebetriebe in Deutschland von der Umlage befreit. Argumentiert wird immer mit steigenden Kosten für die energieintensive Industrie und damit international sinkender Wettbewerbsfähigkeit, was wiederum nicht zuletzt Arbeitsplätze gefährden soll. Alleine während der Schwarz-Gelben Bundesregierung von 2009 bis 2013 stiegen die Strompreisentlastungen für die Industrie von 6,8 auf 9,5 Milliarden Euro. Etwa 5 Milliarden Euro davon sind auf die Ökostromumlage entfallen.

Diese Kosten müssen also von Privatverbrauchern getragen werden, wodurch sich die steigenden Strompreise ergeben. Würden große Konzerne ihrer Verantwortung gerecht werden, würde die sogenannte Ökostromumlage wesentlich günstiger ausfallen.

Fossile Energieträger sind wesentlich teurer als die Energiewende

Seit der Liberalisierung des Strommarktes vor zwei Jahrzehnten haben sich die Strompreise nahezu verdoppelt. Aktuell beträgt der durchschnittliche Preis etwa 27 Cent pro Kilowattstunde. Für die Gegner der Energiewende und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist dies Grund genug, eine intelligente Art der Energieversorgung zu bekämpfen. 

Als Hauptargument wird vorgebracht, dass die EEG-Umlage die Preise ohne Grenzen in die Höhe treibe. Das kann man bloß als dreiste Lüge bezeichnen. 

Fakt ist, in den letzten 10 Jahren verzeichneten die Strompreise einen Anstieg von mehr als 11 Cent pro Kilowattstunde. Die EEG-Umlage ist im selben Zeitraum hingegen lediglich um 6,24 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Im Jahr 2015 sinkt sie sogar erstmalig auf 6,17 Cent.

Fossile Energien – die Preise steigen weiter
Fossile Energien – die Preise steigen weiter © BK, fotolia.com

Der wahre Preistreiber ist ein ganz anderer Faktor, nämlich die Befreiung energieintensiver Unternehmen von der EEG-Umlage. Die dabei verlorenen Einnahmen trägt der Endverbraucher mit. 

Als zusätzliche Belastung kommen die steigenden Importkosten für fossile Energieträger hinzu. In der Vergangenheit hat sich der Preis für Öl und Steinkohle nahezu verdreifacht. Trotz des aktuell historischen Tiefstands für Öl wird sich dieser Trend auf Dauer fortsetzen. Auch Gas ist mit einer Verdopplung der Preise eine treibende Kraft hinter den weiter ansteigenden Energiekosten. 

Damit noch nicht genug betragen die wahren Kosten von Strom aus Atom und Kohle in der Realität ein Vielfaches dessen, was man uns glauben machen will. Würden die „versteckten Kosten“ miteinberechnet, stiege der Preis für den Verbraucher um ganze 11 Cent pro Kilowattstunde.  Dies geht aus einer Studie des Forums für Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hervor. Eine „Konventionelle-Energien-Umlage“ wäre demnach doppelt so hoch wie eine Umlage für Erneuerbare Energien.  

Fazit:

Trotz anders gearteter Beteuerungen verkommt die Energiewende zu einer Möglichkeit für Unternehmen Kosten zu sparen und diese stattdessen durch die Bundesregierung an die Bürger zu delegieren. Natürlich gibt es industrielle Bereiche, welche von der Energiewende auch profitieren sollen, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Allerdings stellt sich die Frage nach dem politischen Willen, die Rechte und Pflichten der Wende fair auf alle Beteiligten zu verteilen.

Wer nicht länger darauf vertraut, dass der Staat das Problem der ungerechten Umverteilung in den Griff bekommt, dem sei geraten intelligente Vergleiche auf dem Energiemarkt durchführen zu lassen und zu einem günstigeren Stromanbieter zu wechseln.